Coca Cola Facebook Prinzip

Nach langem ringen ist es endlich soweit, dass Unternehmen, Organisationen oder auch Pfarrgemeinden sich endlich dazu entschliessen ins Web 2.0 aufzubrechen. Ist die Entscheidung einmal getroffen, dann ist der Schreck umso größer, wenn die Seite der Organisation schon vorhanden ist und der Administrator sich nicht auf den ersten Blick ausmachen lässt. So oder so ähnlich kann es insbesondere bei Facebook passieren, dass die anfängliche Euphorie einer ersten Resignationsphase weicht, bevor es erst richtig los ging.

Vor über einem Jahr standen so zum Beispiel die Organisatoren des Ökumenischen Kirchentages vor einem gleichen Problem. Niemand aus der Geschäftsstelle oder aus den angesiedelten Pressestellen hatte sich um das Phänomen Facebook gekümmert und als man starten wollte waren schon über 1.000 Fans versammelt.

Das nicht nur relativ kleine Organisations von dem Eifer eines Sympathisanten und Markenfans überrascht werden, sondern auch große Firmen und Marken, wird an der Getränkemarke “Coca Cola” sehr deutlich. Denn auch hier hat nicht die PR-Abteilung oder Mitarbeiter der Firma die Facebook-Seite gegründet, sondern zwei Fans der Marke. Der Schrecken war groß als man von offizieller Seite richtig auf die Seite aufmerksam wurde und diese schon mehrere Millionen Fans hatte.

Was tun in solch einer Situation fragte man sich den Erzählungen zu Folge auch bei Coca Cola und die naheligendste Idee bestand natürlich daraus die Seite über die Rechtsabteilung des Hauses bei Facebook sperren zu lassen. Doch diese Idee stieß gerade bei den Kommunikatoren des Unternehmens in der Marketingabteilung nicht auf Gegenliebe, denn eine Sperrung der Seite wäre einem Super-Gau gleich gekommen. Gerade die aktiven Fans wären schnell sehr enttäuscht gewesen und hätten alles daran gesetzt ihren Unmut im ganzen Web Luft zu machen.

Eine Kapitulation von Coca Cola war aber auch nicht denkbar, denn das Unternehmen hatte das Potential erkannt mit mehreren Millionen Menschen direkt zu kommunizieren. So blieb am Ende nur eine Option übrig, die beide Seiten zu Gewinnern gemacht hat. Die beiden Coca Cola Fans und Initiatoren der Facebook-Seite blieben weiterhin Admninistratoren und wurden nicht nur zu Helden auserwählt, sondern genießen seither auch Vorzüge die ihnen das Unternehmen gibt. Hinzu kommt, dass Coca Cola den beiden jemanden aus der Marketingabteilung als Unterstützung zur Seite gestellt hat, um auch den langfristigen Erfolg zu gewährleisten.

Wie erfolgreich dieses Konzept ist wird nicht nur in dem daraus resultierenden Video deutlich, sondern vielmehr an den Zahl von mittlerweile über 22 Milionen Fans, die das Unternehmen weltweit auf dieser Facebook-Seite versammelt. Welche Vorzüge Coca Cola den beiden für ihre Mitarbeit bietet, dass wird sicherlich ein Geheimnis bleiben, doch scheint der Anreiz von beiden Seiten her so ausgeglichen zu sein, dass beide Parteien bis heute gemeinsam die Facebook-Seite leiten.

Das Coca-Cola-Facebook-Prinzip macht die Stärke des Mitmach-Internets deutlich und zeigt einen intelligenten Lösungsansatz, um mit der Herausforderung aktiver Fans umzugehen und diese mit einzubinden. In der Praxis scheint dies aber nicht für jede Organisation eine Lösung zu sein, jedenfalls wird dies sehr gut am Beispiel des Ökumenischen Kirchentages deutlich bei der es am Ende verschiedene Sperrungen gab.

Ein Ende dieses Phänomens scheint nicht in Sicht, denn auch heute stehen Organisationen und Aktionen immer wieder vor der gleichen Herausforderung des ungefragten Engagements. Und so bleibt es derzeit auch spannend, wie zum Beispiel das Zentralkomittee der deutschen Katholiken (ZdK) und dem angeschlossenen Katholikentagsbüro, mit der ähnlichen Situation umgeht, dass die Facebook-Seite des Katholikentag seit fast einem Jahr (Mai 2010) von einem ehrenamtlich engagierten Befürworter der Veranstaltung gepflegt wird.

Am Ende bleibt immer zu hoffen, dass beide Parteien eine Lösung finden die für beide akzeptabel ist, sonst ist die aufgebaute Facebook-Seite schneller wieder gelöscht oder gesperrt als das es Zeit gekostet hat diese aufzubauen.

2 Responses so far.

  1. Karim sagt:

    Lehrreicher Post. Interessant, wenn man das Thema auch mal aus einem anderen Blickwinkel beschrieben lesen kann.

  2. Der Text spricht mit wieder mal aus dem Herzen! Ich hatte genau den Fall vor ein paar Wochen und habe dann einige Zeit gebraucht, um wirklich verständlich zu argumentieren, dass so eine privat gegründete Fanseite eigentlich Anlass ist, sich zu freuen, dass es engagierte Fans gibt und das positiv aufgegriffen werden sollte. Was Besseres kann einen eigentlich nicht passieren, würde ich sagen.

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