Gotteserfahrung im Internet

von Unbekannt

Gott wird dort erfahrbar, wo Kommunikation an Ihr Ziel gelangt. Dort wo Verständigung möglich wird, wo eine wertschätzende Anerkennung des Anderen ermöglicht wird.

Dieses ans Ziel-Gelangen der Kommunikation sieht allerdings nicht so aus, dass ein allgemeiner Konsens entstehen muss. Bereits Luhmann machte darauf aufmerksam, dass Kommunikation dort an Ihr Ende gelangt, wo Konsens erzielt wird. Vielmehr geht es darum, Dissens zu erzeugen.

Auch in der Psychologie wird immer betont, dass das Verdrängte vor allem die eine Eigenschaft besitzt, wiederzukehren. Vor diesem Hintergrund kann eine starke Harmoniesucht durchaus als ein Kennzeichen gesehen werden für die Nicht-Beachtung des Ausgeschlossenen, für die Pflege des systemimmanenten blinden Flecks. Denn jedes System muss zum Funktionieren einen gewissen nicht erklärbaren Teil ausblenden. Gegen eine Theologie, die Gott restlos verfügbar machen möchte, ist Gott stets auch der Ganz-Andere. Wer schon einmal gechattet hat oder dies häufiger tut, sieht, wie anders auch die Mitmenschen sein können, gerade wenn diese aus anderen kulturellen Kontexten kommen. Was das Internet hier ermöglicht ist eine Anerkennung der Vielfalt. Und die Einsicht, dass auf eine Frage, vielleicht viele Antworten richtig sind, ohne dabei freilich einem Pluralismus oder gar Relativismus das Wort zu reden. Vielmehr geht es darum, genau auf die Frage zu hören. Religiös gesprochen würde das bedeuten, den Zweifel einzubeziehen und ihm Raum zu geben als Teil der Gotteserfahrung, als ein Teil des Reifungsprozesses.

Das Thema des ausgeschlossenen Restes zeigt sich auch an einem anderen Umstand: Der Auferstandene trägt noch die Wundmale. Dadurch wird deutlich, dass der Umstand des Leids nicht einfach nivelliert wird durch die Auferstehung. Die Wundmale bleiben.Gott wird dort erfahrbar, wo ein kommunikativer Neuanfang ermöglicht wird, wo Begegnung zur Anerkennung führt und der prädestinierte Ort hierfür ist das Internet, da es der Eigenart des Mediums entspricht Dissens zu erzeugen. Die Gefahr oder Tendenz zum Pluralismus darf dabei freilich nicht übersehen werden.

Bild: Jonas Müller

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