Kirchliche Führungskräfte verlassen Facebook

von Unbekannt

Immer häufiger werde ich in den letzten Wochen darauf aufmerksam gemacht, dass kirchliche Führungskräfte nicht mehr auf Facebook aufzufinden sind, obwohl sie es einmal waren. Die Profile sind nicht mehr vorhanden und die Personen einfach nicht mehr in der sichtbaren Facebook-Welt existent. Auf den ersten Blick fällt das Ausscheiden gar nicht so stark auf, da eine Deaktivierung oder Löschung meistens unterhalb des Radars der Allgemeinheit stattfindet und dazu meist ohne Ankündigung geschieht. Erst auf den zweiten Blick macht sich das Ausscheiden dann bemerkbar, meist wenn es darum geht demjenigen gezielt eine Nachricht zu schicken oder mit ihm eine Information zu teilen.

Grundsätzlich finde ich das Ausscheiden eines jeden raus aus Facebook als private Entscheidung absolut legitim, doch man sollte dabei vorsichtig vorgehen, insbesondere als Führungskraft. Facebook ist für viele Menschen ein wichtiger Teil des Lebens geworden und da gelten ähnliche Grundsätze, wie sie auch selbstverständlich an anderer Stelle im guten Umgang miteinander gepflegt werden sollten. Der unkonventionelle Weg des plötzlichen Ausscheidens dagegen führt zu Irritationen und kleinen Erschütterungen, die dann wahrgenommen und nicht verstanden werden.

Überstürzte Abschiede aus Facebook schaden dem Ansehen

Ein Beispiel: Facebook-Nutzer Peter will Facebook verlassen, er schreibt vielleicht sogar noch einen kurzen Beitrag, dass der Account innerhalb der nächsten Stunden gelöscht wird und meldet sich dann kurze Zeit später ab. Problematisch ist, dass nur wenige Facebook-Freunde von Peter diesen Beitrag gesehen oder bewusst wahrgenommen haben in der kurzen Zeit und so sehen sie nicht die Begründung von Peter, die ja sogar verständlich wäre.

Die Problemlage ist schnell erklärt, denn schon wenige Tage später treten bei dem ein oder anderen Facebook-Freund von Peter die entsprechenden Irritationen auf mit den entsprechenden Fragen: „Warum finde ich Peter nicht mehr auf Facebook? Hat Peter mir meine Freundschaft aufgekündet? Mag Peter mich nicht mehr? Ist mein Verhältnis zu Peter gestört? Habe ich etwas falsch gemacht? Wie erreiche ich Peter nun jetzt?“

Es sind Fragen, die mal leichter und mal schwerer beantwortet werden können und sicherlich auch Teil des Beziehungsverhältnisses sind. Gute Freunde, die über mehrere Kommunikationskanäle miteinander verbunden sind, werden weniger irritiert sein oder schnell die Beweggründe auf anderem Wege herausfinden. Doch es gibt auch die vielen leichten und sanften Verbindungen, wie sie zum Beispiel zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzen oftmals existieren. Wenn der Chef oder der Chef vom Chef aus Facebook verschwindet hat das eine Signalwirkung, die insbesondere die Führungskräfte nicht unterschätzen sollten, denn sie zerstören damit im ersten Schritt eine Beziehung und hinterlassen ebenfalls eine unnötige Unsicherheit bei den Mitarbeitern.

Abschied und Löschung in kleinen Schritten

Doch was tun, wenn Facebook nervt oder man als Führungskraft keine Zeit mehr für Facebook findet. Ich denke es hilft, wenn das Profil langsam aufgelöst wird mit Hilfe einer kleinen Kommunikationsstrategie. Dazu gehört die Ankündigung im mittel- und unmittelbaren Umfeld auf dem persönlichen Weg genauso, wie ein Hinweis auf der eigenen Chronik, dass auf Facebook erst einmal Pause ist. Ohne eine Übergangslösung wird der Abschied in meinen Augen nicht funktionieren und das ist eigentlich nicht neu und kennen auch kirchliche Institutionen. Beim Ausscheiden von Mitarbeitern werden dort zum Beispiel die E-Mail-Accounts auch nicht direkt gelöscht, sondern mit einem Autoresponder versehen. Bei Facebook gibt es diesen Autoresponder nicht und so hilft nur der platzierte Hinweis auf dem Profil und ein ruhen lassen des Accounts, bevor man diesen komplett abschaltet.

Diese Strategie können dabei im Übrigen alle nutzen, die Facebook den Rücken zukehren möchten und ist selbstverständlich nicht nur auf Führungskräfte beschränkt, doch diese Personengruppe steht halt besonders im Fokus und zwar nicht nur zuletzt deswegen, da die Bischöfe sich vor kurzem bei ihrem Studientag intensiv mit dem Thema Social Media befasst haben.

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