#vbm11 – Pfr. Hendrick Jolie

von Unbekannt

Insgesamt 17 Blogger aus dem deutschsprachigen Raum stehen auf der Liste der Teilnehmer bei dem am 2. Mai stattfindenden Blogger-Meeting des Vatikans. Einer der  Teilnehmer ist Pfarrer Hendrick Jolie aus dem Bistum Mainz, der unter dem Titel „tagebuch eines landpfarrers II“ bloggt. In einem kurzen Interview beschreibt Hendrick, wie er zum Bloggen kam und mit welchen Erwartungen er in der kommenden Woche nach Rom fährt.

 

Kannst du dich noch an deinen ersten Blogeintrag erinnern und über welche Themen bloggst du heute?

Anlass war eine Indienreise vor anderthalb Jahren. Ich habe ein Projekt begleitet, das von meiner Heimatdiözese unterstützt wurde. Während der vier Wochen meines Indienaufenthaltes merkte ich, dass es eine ganze Reihe von Dingen gab, die ich meinen Gläubigen zu Hause gerne einmal mitteilen wollte, für die aber im Alltag oft kein Raum blieb. Die Themen haben sich kaum verändert: Es geht um den Glauben in der sich rasend schnell verändernden Welt. Es geht um die Frage, wie der Priester Hirte bleiben kann, wenn er immer größere Seelsorgseinheiten zu verwalten hat und die kirchliche Bürokratie ihn in ein Team einzubinden sucht, in welchem er seiner Hirtengewalt verlustig geht. Es geht auch um sehr persönliche Einblicke, meistens literarisch verfremdet. Und schließlich geht es auch um das Anliegen, mit den Gläubigen über dieses Medium in ein Zwiegespräch zu treten, wenn die Entfernungen immer größer und die Pfarrgemeinden immer unübersichtlicher werden. Manche Menschen sind zudem im Internet viel offener, als sie es im direkten Kontakt wären. Das liegt sicher daran, dass man sich vom Schreibtisch aus leichter etwas von der Seele schreibt, als wenn man dem Pfarrer gegenübersitzt.

 

Wie hast du vom Bloggertreffen im Vatikan erfahren und warum hast du dich beworben?

Von dem Treffen habe ich natürlich durch die bestens vernetzte Blogoszene erfahren, wie auch sonst . Ich habe den Aufruf des Papstes vor anderthalb Jahren sehr ernst genommen, als er insbesondere die Priester aufgerufen hat, sich aktiv in das Web 2.0 einzubringen. Meine Bewerbung war auch mit dem Signal verbunden: Es gibt Priester, die diese zukunftsweisende Anregung des regierenden Pontifex sofort aufgenommen und umgesetzt haben. Der Papst soll wissen, dass es auch im deutschsprachigen Raum Priester gibt, die sich an ihm orientieren.

 

Mit welchen Erwartungen fährst du nun nach Rom?

Dieses Treffen in Rom ist ein Zeichen der Wertschätzung von Seiten des Vatikans für jene, die im Netz für den katholischen Glauben eintreten. Den Verantwortlichen im Vatikan ist es offenbar nicht entgangen, dass eine ganze Reihe papsttreuer Impulse aus der blogoszene gekommen sind – man denke nur an „pro papa“ von Sabine Beschmann oder an die petition „pro ecclesia“ von Peter Winnemöller. Und es ist immer gut, wenn sich Menschen, die dieses Anliegen im Internet verbreiten, auch einmal von Angesicht zu Angesicht begegnen und nicht nur in der virtuellen Welt des Internet.

 

Welchen Impuls wünschst du dir vom Bloggertreffen?

Ein wichtiger Impuls könnte sein, dass aus der o.a. Wertschätzung durch den Vatikan ein Bewusstsein wächst: Die Blogoszene ist keine Spielwiese für religiöse Exzentriker und Selbstdarsteller. Katholische Blogger (unter denen sich auch renommierte Journalisten, profilierte Theologen, erfahrene Priester und kompetente und gut informierte Laien befinden) nehmen durch ihre Tätigkeit Einfluss auf die Art, wie die katholische Kirche in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Die Mainstream-Medien (Kirchenzeitungen, offizielle Veröffentlichungen der Bistümer, KNA  u.ä.) kommen auf Dauer an der Blogoszene nicht vorbei, da die Blogs viel mehr beachtet werden, als es den etablierten Medien lieb wäre. Ich kenne ganz einfache Gläubige in meiner Pfarrei, die mir sagen, dass sie sich für das Durchlesen ihrer Lieblingsblogs mittlerweile mehr Zeit nehmen als für die Tageszeitung. Gerade wenn man bedenkt, dass insbesondere die katholische Blogoszene in aller Regel vom gegenwärtigen Papst begeistert ist, kann man hier ein wohltuendes Kontrastprogramm zum allgemeinen „Papst-Bashing“ konstatieren.

 

In einer kurzen Serie befragt FRISCHFISCHen verschiedene Blogger aus dem deutschsprachigen Raum, die am ersten Blogger-Treffen des Vatikans am 2. Mai in Rom teilnehmen. Mehr Informationen rund um das Bloggertreffen und weitere Interviews gibt hier als Übersicht.

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