1 Jahr blog.radiovatikan

von Unbekannt

Auch Virtuelles beginnt im Realen. Als sich vor einen Jahr abzeichnete, dass ich beim Papstbesuch in Deutschland dabei sein würde – und das auch noch im Papstflieger selbst – kamen gleich die Ideen, dass müsse ich nutzen und bloggen.  Wenn wir bei Radio Vatikan schon mehr Internet machen wollten, dann zu diesem Anlass, in dieser Form. Nun gut.

Nachdem ich mir Rat – auch vom Team von Frischfischen – eingeholt hatte, habe ich also vor genau einem Jahr los gelegt mit meinem Blog.

Oder besser: Mit dem Blog von Radio Vatikan. Denn obwohl ich allein dort blogge und mein Bild zu sehen ist, ist es doch kein persönliches Hobby von mir, sondern ich verstehe es als Teil meiner Arbeit.

Dazu musste erst einmal die Form gefunden werden. Ein Blog will mehr sein als nur eine Wiederholung dessen, was wir eh machen, auf anderen Plattformen. Der Meine will so etwas wie ein öffentliches Nachdenken sein, mehr als nur das mehr oder weniger fundierte Haben einer Meinung. Ich nehme gar nicht in Anspruch, die beste oder gültigste aller Interpretationen zu dem zu haben, was in Vatikan und Weltkirche so vor sich geht. Zum Denken und zur Meinungsbildung beitragen, das ist das Ziel.

Die größte Herausforderung stellt dabei die Kommunikation mit den Lesern. Das Web 2.0 gaukelt uns vor, dass Kontrolle abgegeben werde, dass Leser sich beteiligten und dass das Einbahnstraßen-Internet der Vergangenheit angehöre. Das ist – noch – Illusion. Von Anfang an habe ich beschlossen, dass ich alle Kommentare eigens frei schalten muss, ein sehr weiser Entschluss. Religion und Papst sind emotionale Themen, und es gibt leider viele Menschen, die unerträgliche Beiträge meinen posten zu müssen. Auch bei mir.

Aber selbst bei denen, deren Kommentare ich frei schalte, ist die Anzahl der Autoren überschaubar. Wirkliche Debatten hat es bisher nur wenige male gegeben, meist zu Konfliktthemen. Ich bin noch nicht wirklich überzeugt davon, dass das wirklich schon der Dialog ist, wie er es sein soll.

Web 2.0 ist davon abhängig, dass sich auch wirklich Leute beteiligen.

Ein Jahr später stelle ich auch fest, wie viele Feinjustierungen noch nötig sind. Immer wieder habe ich kleine Versuche gestartet, kleine Serien oder Interviews oder Kommentare, um zu sehen, was kommentiert wird und was nicht. Ich bin noch dabei, das Bloggen zu lernen.

Langsam formulieren sich in meinem Kopf auch die Erwartungen an meinen Blog. Das klingt komisch, sollten die doch eigentlich am Anfang stehen. Aber ganz ehrlich: Ich hatte keine. Hätte ein Jahr lang keiner den Blog gelesen, dann hätte ich das wieder eingestellt und gut wär‘s gewesen. Das war nicht der Fall. Also versuche ich den Kommentaren und den Zugriffszahlen zu entnehmen, was dieser Blog mal werden soll. Das ist so etwas wie Web 2.0 auf Umwegen, aber so wirklich alt ist diese Kommunikationsform ja noch nicht.

Also: Ein Jahr danach habe ich einige hundert Artikel, Bilder, Interviews und Kommentare gepostet, zig tausende von Kommentaren bekommen und einige interessante Debatten erlebt. Ganz ist mein Blog noch nicht im Web 2.0 angekommen, aber mit der Intention gehe ich jetzt ins zweite Jahr.

Pater Bernd Hagenkord SJ
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    3 thoughts on “1 Jahr blog.radiovatikan

    1. Ein toller Blog, der immer wieder einen längeren Blick wert ist. Ich war überrascht, dass der Blog erst ein Jahr jung ist.

      Also: Happy Birthday!

    2. Dieser Blog ist wirklich eine regelmäßige Lektüre wert.
      Einer der einflußreichsten Artikel in meinem Umwelt war dieser: http://blog.radiovatikan.de/ein-grabstein/ – trauriger, auch unangenehmer und ärgerlicher Anlass, aber da haben Sie mal gezeigt, wie guter Journalismus aussehen kann (nachdem schlecht recherchiert wurde und das Bild von der ach so bösen katholische Kirche bedient wurde).

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