Die katholische Kirche und Facebook

von Unbekannt

Persönlicher Austausch, Meinungsäußerung und Vergemeinschaftung sind zentrale Motive bei der Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook. Wie die Kirche und kirchliche Themen in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen und wie sie im größten und momentan erfolgreichsten Netzwerk vorhanden sind, habe ich ausgiebig in meiner Diplomarbeit behandelt.

Das Ergebnis: Es gibt gute Ansätze – jedoch noch zu wenig von offizieller Seite. Die Bistümer, allen voran Osnabrück, verstärken ihren Social Media Einsatz. Durchsucht man Facebook nach kirchlichen und religiösen Themen, findet man vor allem Privatinitiativen, die sich präsentieren, untereinander austauschen und Meinungen verbreiten. Die meisten Gruppen sind tagesaktuell, für jeden Nutzer offen und weisen damit eine hohe Relevanz bezüglich des jeweils diskutierten Themas auf. Themen, die in der Medienberichterstattung Niederschlag finden, werden auch in Social Communities diskutiert. Doch es wird noch eine Zeit dauern, bis das Internet „kirchlich erschlossen“ wird – wenn man es so formulieren kann.

Die kirchliche Aktivität in Facebook ist somit insgesamt als gering einzustufen. Es sind eher kritische Themen und klare Positionierungen gegenüber der katholischen Kirche, welche die meisten Nutzer interessieren. Stellungnahmen oder andere Reaktionen von offizieller kirchlicher Seite sind nicht zu finden. So ist hier ein Handlungsbedarf festzustellen, da die Kirche die Nutzungsmöglichkeiten sozialer Netzwerke im Internet noch lange nicht ausgeschöpft hat.

Allerdings darf man auch nicht zu viel erwarten. Immerhin sind bloße Unterhaltung, das Stöbern in fremden Profilen und Entspannung Hauptgründe für die Nutzung von Facebook. Das Vermitteln konkreter Inhalte dürfte somit schwerer fallen. Es ist eher davon auszugehen, dass verschiedene kirchliche Einrichtungen, Verbände sowie Gemeindegruppen auf ihr Programm und ihre Inhalte aufmerksam machen und dabei die interaktiven Möglichkeiten der Communities nutzen können. Ob und wie die Rezipienten dieses Angebot wahrnehmen und weiterempfehlen, können die Sender der jeweiligen Botschaft nicht beeinflussen.

Kein Ersatz – aber eine gute Ergänzung

Die Kirche hat also die Möglichkeit, über den Kommunikationskanal der sozialen Netzwerke im Internet direkt mit Menschen in Kontakt zu kommen – die Umstrukturierung vieler Pfarreien zu großen Seelsorgs-Einheiten zwingen ohnehin zu neuen Wegen der Kommunikation und Organisation. Sicherlich ist nicht zu erwarten, dass die binnenkirchliche Kommunikation ausschließlich auf Social Communities verlagert und dadurch das bestehende Angebot der Ortsgemeinde ersetzt wird. Das kann weder der Hintergedanke noch das Ziel sein, wenn es um den Einsatz dieses Kommunikationskanals geht. Jedoch ist es eine Chance für Mitarbeiter der Kirche, diejenigen zu erreichen, die sich durch die bestehenden Angebote nicht angesprochen fühlen. Sie sind oftmals offen für den Kontakt über soziale Netzwerke. Kirchenferne lassen sich nicht alleine deshalb bekehren, weil die Kirche bei Facebook präsent ist. Noch weniger werden sie plötzlich vermehrt Gottesdienste besuchen. Denn bisher findet verstärkt ein Austausch über kirchenkritische Themen innerhalb von Facebook  statt.

Ein Engagement im Web 2.0 wird für die Kirche somit nicht die Lösung aller Probleme sein. Dieser neue Weg sozialer Kommunikation kann jedoch nicht zuletzt durch die Mischung aus technischen Möglichkeiten und dem Einsatz und Willen der Akteure unterstützend wirken, wenn es um Vergemeinschaftung und die Verbreitung des Evangeliums geht. Vielleicht lässt sich die vorherrschend negative Einstellung innerhalb der Online-Gemeinschaften zur Kirche und ihren Tätigkeiten so generell verbessern.

Über Unbekannt

9 thoughts on “Die katholische Kirche und Facebook

  1. @Renate Bühler – prinzipiell spricht nichts dagegen. Können uns gerne per Mail verständigen. Einfach so zum Download steht die Arbeit bisher nicht bereit…

  2. Lieber Christan Wode
    Ich bin Theologiestudentin und interessiere mich sehr für das Thema Kirche und Facebook. Ist es möglich, deine Diplomarbeit zu lesen?
    Freundliche Grüsse

  3. @Thomas Nolte: Soweit ich weiß gibt es bisher kein größeres Wiki-Projekt der instituell organisierten katholischen Kirche. Doch wie so an vielen Stellen gibt es immer wieder private Initiativen, die sich dann aber meist nur an eine kleine Zielgruppe wenden bzw. nicht viele Menschen begeistern.

  4. @Erik Wegener:
    „Wie kann ZusammenArbeitsKultur in der Gemeindeentwicklung /-arbeit aussehen?“

    Facebook ist sicherlich ein universeller Ansatz dazu, weil sich Personen in verschiedenen Konstellationen miteinander als „Freunde“ verknüpfen können.

    Ein anderer Ansatz von „ZusammenArbeitsKultur“ ist das Aufsetzen eines Wikis. Einige Schulen machen vor, wie das geht: z.B. http://wikis.zum.de/index.php/Hauptseite

    Warum gibt es noch keine Bistums- und Pfarrei-Wikis als hochflexible Website, in der jeder (Angemeldete) mitwirken und vernetzen kann?
    Oder gibt es doch schon welche, die ich noch nicht kenne?

  5. Dem Wunsch nach der Diplomarbeit im Netz möchte ich mich auch anschließen. Bitte! Danke!

  6. Lieber Christian Wode,

    ich freue mich sehr über Deinen Impuls aus der Wissenschaft, so offenbart sch wieder der Kreislauf zwischen gesellschaftlichen Trend und dem zwingende Wunsch, daraus Wissen zu schaffen. Das dieses Wissen nicht gleichzeitig eine praktische Anwendung erfährt hast Du erwähnt – mir wurde bei meiner ersten offiziellen Präsentation ideologisches Denken unterstellt. 😉

    Der Weg in oder durch das das Social Web wird begangen mit oder ohne uns. Wenn wir XXX oder menschenverachtenden Webinhalte mit der Menge an christlichen Inhalten vergleichen oder die Erklärungen wie Suchmaschinen oder das Semantic Web arbeitet, dann ist klar, dass wir uns positionieren sollten. Eine Medienhoheit wird es aber nicht mehr geben!

    Entscheidungsträger/innen sind aus einem bestimmten Grund in den jetzigen Position bzw. haben sich dort gehalten. Wenn Du in 10 Jahren möglicherweise Kommunikationentscheider bist, wirst Du genau verstehen was ich meine. Ein bestehen auf dem Recht auf Ungeduld zieht zwangsläufig ein Kräftemessen nach sich … Aus diesem Grunde würde ich mir wünschen, dass Wir die kulturelle Weiterentwicklung verstanden haben; aber diese sich ersteinmal nicht auf die Gesellschaftskultur beziehen kann sondern auf die ZusammenArbeitsKultur bezieht.

    Wenn ich deine Selbstdarstellung richtig verstanden habe, „Die sozialen Netzwerke sieht er als Herausforderung für die Gemeindepastoral, der sich Kirche stellen muss.“, dann liegt dein Fokus auch auf Sozial Web / Gemeindearbeit.

    Ich möchte gerne einen weiterführenden Dialog über: Wie kann ZusammenArbeitsKultur in der Gemeindeentwicklung /-arbeit aussehen?

    Über >>Engagement<>Return of Interaction<< bei internen und externen Dialoggruppen:
    – Administration (Bistum)
    – Pfarrgemeinden
    – Gruppen (Haupt-/Ehrenamt)
    – Mitglieder
    – Suchende
    bezogen auf die "neuen" Werte im Social Web.

    oder

    (Meine persönlichen) Zukunftstrends:
    1. Facebook sind die Gelben Seiten der Zukunft.
    2. Communities z.B. Facebook werden lokal organisiert werden.
    3. Vermeldungen, Schaukästen und Pfarrnachrichten verdichten sich auf Pfarrgemeinden-Communities
    4. (Briefe, Pfarrnachrichten) Print oder digitale Abonnements wie Newsletter werden zu exklusiven/ persönlichen Ansprachen, ähneln eher dem informellen Gespräch. Mitglieder werden sich in dem selbst gewählten Stream bewegen, freiwillig, als Fan oder User einer lokalen Pfarrkirchengemeinde oder dem (Erz)Bistum.

    Folgende Bitte, wenn Du deine Diplomarbeit veröffentlichen möchtest lass es auch mich wissen.
    Folgende Möglichkeit sehe ich hier, als kompletten Text: http://www.scribd.com oder nur als Link: http://groups.diigo.com/group/koinonia .

    Grüße,

    Kontakt: https://www.xing.com/profile/Erik_Wegener2

  7. Grundsätzliche Zustimmung. Ich glaube, das sehe ich doch etwas positiver, vielleicht aber auch, weil bei uns in Österreich mit Facebook ganz klar ist, wo 2 Mio. der 8,5 Mio. ÖsterreicherInnen online sind (in .de ist das ja ein bisserl komplizierter von Bundesland zu Bundesland). Social Media ist eine Bottom-Up Bewegung, insofern überrascht es nicht, dass die Diözesen da nicht die ersten sind. Die ersten sind die ChristInnen, die in ihrem Alltag, der eben auch online stattfindet, über das, was ihnen wichtig ist kommunizieren. Und das nehme ich sehr wohl war, dass da viel passiert, durchaus auch manchmal in kontroversen Debatten. Dann folgen die Seiten, Gruppen usw., die werden immer mehr (zumindest bei uns). Es sind aber eben auch die Pfarren, Jugendgruppen, initiatve Projekte im kirchlichen Kontext, die hier aktiv sind und nicht so stark die Diözesen oder Bischöfe. Das finde ich aber kein so Problem, vielmehr denke ich dabei gerne an ein gutes, altes Prinzip der katholischen Soziallehre: Subsidarität. Das was vor Ort passieren kann, soll vor Ort passieren und nicht an eine übergeordnete Ebene abgegeben werden.
    Was aber sehr wünschenwert wäre, wäre ein ermutigendes Zeichen an die ChristInnen seitens der Bischöfe & Co., dass es gut ist, wenn sie in sozialen Inet-Netzwerken über ihren Glauben kommunizieren.

  8. In aller Bescheidenheit darf ich auf die FB- und Twitteraktivitäten des Bistums Trier hinweisen … 😉 http://www.facebook.com/bistumtrier, http://www.twitter.com/bistum_trier. Ich überlege seit einigen Tagen, ob gerade mit Twitter und Facebook nicht tendenziell andere Interessentenkreise angesprochen werden: Facebook eher als Mittel der internen, innerkirchlichen Kommunikation („Freunde“ – bei meinem privaten FB-Auftritt tummeln sich ja auch nur Menschen, mit denen mich positiv etwas verbindet), Twitter dagegen stärker nach außen gerichtet.
    Kann man die Diplomarbeit irgendwo einsehen/downloaden/bekommen … ?

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