Die katholische Sonntagsfrage

von Unbekannt
Die katholische Sonntagsfrage als Marketinginstrument.

In Deutschland und Österreich ist die sogenannte „Sonntagsfrage“ ein beliebtes Instrument der Meinungs- und Wahlforschungsunternehmen. Dabei wird regelmäßig die Frage „Was würdest du wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?“ genutzt, um Wahlergebnisse möglichst genau zu prognostizieren.

Das katholische Stimmungsbarometer

Auf meinen Reisen als Referent habe ich mich in der letzten Zeit häufiger gefragt, warum wir solch ein stetiges Instrument nicht in der Kirche einsetzen, um schneller auf lokale und regionale Entwicklungen zu reagieren. Die katholische Sonntagsfrage wäre dann nicht die Frage danach wer am nächsten Sonntag gewählt würde, sondern wäre eine kurze Fragereihe nach der aktuellen Stimmung und den Themen, die die Befragten im positiven und im negativen Sinne beschäftigen.

Tratsch und Klatsch in den Pfarrgemeinden

Klar gibt es durch den Tratsch und Klatsch in unseren Strukturen von Pfarrgemeinden bis hin zu den Verwaltungseinheiten der Bistümer Wege in denen die Stimmung meist sehr schnell transportiert wird, doch sind dies eher subjektive Einschätzungen von Einzelpersonen und gemeindlichen Lobbygruppen. Allein für diese Gruppen in denen Kommunikationsprozesse vorhanden sind benötigt es die katholische Sonntagsfrage sicherlich nicht. Doch wenn der Kreis der Befragten erweitertet wird durch Personenkreise, die nicht im Leben der Pfarrgemeinde verwurzelt sind, wäre es schon über kurze Zeit möglich aktuelle Trends aufzugreifen und die Kommunikation und die Angebote von Kirche entsprechend anzupassen.

Lernen von der nächsten Generation

Insbesondere in Hinblick auf die jungen Generationen würden wir als Kirche viel lernen, da wir kaum noch Kontakt zu der Generation haben. Und wenn wir noch Kontakt haben, dann ist es eine kleine Nischengruppe, meist zwar gut ausgebildet, aber in ihrem größeren Umfeld dann doch oft von der peer-group belächelt.

Konkrete Einsatzmöglichkeiten

Doch was verspreche ich mir konkret von so einem Instrument der katholischen Sonntagsfrage. Ich denke die katholische Sonntagsfrage könnte die Geschwindigkeit erhöhen in der Kirche auf die Bedürfnisse von Menschen eingeht. So würde man peinliche Momente verhindern, wo sich katholische Pfarrer beim Wort zum Sonntag einen Eimer Eiswasser zu einem Zeitpunkt über den Kopf schütteln, wo der Zenit der sogenannten #icewaterchallange schon längst überschritten ist und nur noch nervt.

Darüber hinaus wäre es auch im lokalen Umkreis einer Gemeinde möglich Predigten oder Fürbitten im Gottesdienst anzupassen, um nicht allgemeine vorformulierte theoretische Aspekte des Glaubens zu vermitteln, sondern den Menschen eine konkrete Guidance durch das Wort Gottes in ihrer Situation zu geben.

Aber auch die eben angesprochenen Jugendlichen sollen nicht zu kurz kommen durch die katholische Sonntagsfrage. Gerade im Vorfeld der Videodays stieg zum Beispiel der Bedarf an Tickets und die Nachfrage mit der Zeit rasant an, um die YouTube-Stars zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Warum nicht als Jugendleiter oder als für die Jugend zuständiger pastoraler Mitarbeiter schon von Anfang an über sich entwickelnde Trends informiert sein und die Möglichkeit haben darauf zu reagieren. In diesem Beispiel wäre es dann die Organisation einer Fahrt zu den Videodays und im Anschluss daran die Teilnahme am Video-Wettbewerb 1‘31‘‘.

An die Kritiker

Auch wenn ich die Kritiker schon rufen höre, dass wir solch ein Instrument nicht brauchen, weil es die Traditionen der Gemeinden, Bistümer oder Regionen durchbricht, würde ich es zumindest einmal probieren. Über die genaue Ausgestaltung der entsprechenden Fragen und der Zusammensetzung der zu befragenden können wir dann ja immer noch im nächsten Schritt diskutieren.

 

 

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One thought on “Die katholische Sonntagsfrage

  1. Natürlich braucht man, um den Glauben der Menschen, ihre Sorgen und Nöte und ihre Haltung zur Kirche zu erkennen so ein Instrument!
    Es wurde, von Papst Franz ja kürzlich, vor allem zu einem speziellen Thema, auch eingesetzt.

    Da aber die römisch-katholische Hierarchie, vor allem die Ortsordinarien, die Meinungen und die Wünsche der Menschen scheuen wie der Teufel das Weihwasser (es wäre nämlich eine direkte Beurteilung ihrer Amtsführung) haben in vielen, vielen Diözesen nicht die Gläubigen vor Ort die päpstlichen Fragebögen beantwortet, sondern handverlesene Lobbygruppen, oder gleich das bischöfliche Ordinariat höchstselbst. Einige Blöcke von Fragen wurden von unseren Oberklerikern gleich ganz weggelassen, da sie „völlig uninteressant und kontraproduktiv“ gewesen seien. Raten Sie mal welche.

    So eine „katholische Sonntagsfrage“ hätte die Kirche bitter nötig, um ihren Zustand zu diagnostizieren und Abhilfe schaffen zu können. Und genau deswegen, wird es so eine direkte Sonntagsfrage mit genauer Auswertung nie geben.

    Christian Nürnberger hat, noch zu Papst Benedikts Regentschaft, eine exzellente Analyse dazu geschrieben und aufgezeigt, was man ändern müsste und könnte, wenn man denn was ändern wollte. Beachten Sie bitte meine Anhäufung von Konjunktiven.

    Nachzulesen in einem Auszug der Süddeutschen Zeitung, in der der Originalartikel am 23. Juli 2011 erschienen ist.

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