Einmal „Typen“ zum mitnehmen, bitte!

von Unbekannt

Folgende Statusmeldung von Matthias Sellmann hat mich ins Grübeln gebracht: „Unser Fazit: Wir brauchen Typen!!!“ Ich stimme voll zu, das Web braucht Typen, die Kommunikation in den neuen Kanälen braucht Typen, wir brauchen Typen. Neu ist dieser Gedanke zwar nicht, Jürgen Pelzer sprach vor einiger Zeit von Charismen, die die Kirche für ihre Kommunikation im Netz brauche. Dennoch ist er meiner Meinung nach aktueller denn je. Das Fass, dass diese Kirche in einer Abwärtsspirale steckt und zunehmend an Glaubwürdigkeit verliert, möchte ich an dieser Stelle gar nicht wieder aufmachen. Allerdings steht dieser Trend für mich in engem Zusammenhang mit der Forderung nach Typen. Will Kirche die Menschen wieder erreichen, dann braucht sie genau diese Multiplikatoren. Doch wie sehen diese Typen aus, was zeichnet sie aus und warum sind sie nicht bei uns zu finden? Gibt es sie vielleicht gar nicht?

Doch es gibt sie, und zwar in den verschiedensten Milieus. Aber ist Kirche für sie denn wirklich interessant. Brachtet man den Status quo, dann muss diese Frage wohl mit Nein beantwortet werden. Aber woran liegt es? Was hält diese Typen davon ab? Sicherlich kann an dieser Stelle keine komplette Beantwortung der Frage erfolgen. Dennoch ist es glaube ich zielführender, sich keine Gedanken über eine nette und durchgestylte Stellenanzeige zu machen, sondern vielmehr die Stellenbedingungen einmal zu reflektieren und diese eventuell anzupassen.

Ein paar Gedanken dazu:

  • Typen sind oft bunt und das ist wichtig und richtig. Lasst die Typen bunt sein.
  • Typen haben eine eigene Sprache. Bitte verpasst ihnen keine Sprachschulung, um sie in den üblichen Sprachgebrauch zu integrieren.
  • Typen sind kein Allroundmittel. Lasst die Typen in ihrem Kontext, ihrem Milieu und verheizt sie nicht allen Bereichen.
  • Unterstützt die Typen bei Ihrem Vorhaben. Stellt die nötigen Ressourcen bereit, damit die Typen so agieren können, wie sie es wollen.
  • Habt den Mut, die Typen, Typen sein zu lassen.

Vielleicht gelingt es ja wirklich einmal, diesen Typen einen Platz in der Kirche zu bieten, an dem sie gerne agieren wollen. Wichtig wäre es für uns!

 

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5 thoughts on “Einmal „Typen“ zum mitnehmen, bitte!

  1. Liebe Frau Janssen,
    Liebe Frau Puscz,

    vielen Dank für diese Einblicke in den Kern pastoraler Arbeit und in die großen Chancen, die darin stecken, die Typen Typen sein zu lassen. Die Ausgabe 2/2011 von Lebendige Seelsorge wird sich damit beschäftigen und ich habe Ihre Eindrücke einmal versucht, dort mitzuverarbeiten, denn ich denke, dass ist genau der Kernbereich, wenn es darum geht, wie kann pastorale Arbeit und Kommunikation in der Postmoderne gelingen.

  2. ja, stimme voll zu. Vor allem (und da hat sich doch die Griechisch Wiederholungsprüfung im Studium gelohnt 🙂 wenn man mal das Wort Typ auf seinen Ursprung hin analysiert. Typos der Eindruck, Abdruck im Sinne eines Urbildes, das sich auf etwas prägt. Ein Typ hinterlässt einen bleibenden Eindruck, der prägt (welch Wortspiel). In diesem Sinne meint Typos auch im kirchlichen Bereich das Urbild. Ergo: Wir brauchen definitv mehr Typen, die ihre Charismen einbringen, Orginale eben, die prägende Kraft entfalten. Danke für den Beitrag ganz im Sinne von Gaudium et spes.

  3. Was mir vor allem beim letzten Firmtreffen aufgefallen ist, ist die Tatsache, wie wichtig es ist, den Typen ihre Sprache zu lassen. An der Methode „Worldcafe“ merkte ich in jeder Gruppe, die an meinen Tisch kam, wie groß die Hemmung war etwas darauf zu schreiben, da sie sich unsicher waren Rechtschreibfehler zu machen. Besonders schwer viel es den ersten, weil das Plakat noch völlig leer war. Sie trauten sich trotzdem und ich machte auch keine Anstalten es zu verbessern. Ihre Sprache auf dem Plakat wurde immer Jugendlicher, die Angst vor Fehlern war am Ende verblasst, da es darauf ja gar nicht ankam.
    Ich denke aber auch, dass es für die Erwachsenen und für die Hauptamtlichen eine ziemliche Hürde ist, den Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen, denn das verwechseln einige immer noch mit „sich den Jugendlichen anpassen“. Und das ist damit nicht gemeint. Dadurch wirke ich gegenüber den Jugendlichen ja unauthentisch, sie wollen ja auch gar nicht, dass ich so bin wie sie. Sie wollen einzigartig sein und das ist ja die große Kunst ihnen das zu lassen.
    Zum Glück gibt es hierfür auch keine Pathentlösung.

  4. Bei der Firmvorbereitung tauchen alle Typen eines Jahrgangs auf und wir pastoralen Mitarbeiter stehen da und müssen ihnen gerecht werden. Darum machen wir es in diesem Jahr so: es gibt vor dem eigentlichen „Input“ einige Treffen, die von Gleichaltrigen, die sich ebenfalls auf die Firmung vorbereiten, vorbereitet werden. 2 Treffen hatten wir schon. Die waren viel wuseliger und das pastorale Persoal grübelt, was daraus werden kann. Ehrlich gesagt fühle ich mich dabei wohler, weil (s.o.) wir es möglicherweise hinkriegen, die Typen Typen sein zu lassen und ihnen -allen- einen Einblick oder mehr (je nach Wunsch) zu verschaffen.
    Danke, Jens, für den inspirierenden Beitrag.

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