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Messengerdienste in der Praxis

von Unbekannt

WhatsApp-Newsletter, Instagram-Abonnement oder eine Nachricht über den Threema-Broadcast – immer mehr kirchliche Anbieter setzen derzeit darauf, Angebote für Messengerdienste einzurichten. Mit dabei sind eigentlich immer die ewige Datenschutzdiskussion, ein wenig Angst, Aktionismus, persönliche Befindlichkeiten und nur selten eine klare Zielsetzung.

Der Grundansatz sich auf diesen Weg zu begeben oder diesen weiter zu verfolgen ist positiv. Kirche muss auch abseits von dem sonntäglichen Gottesdienst bei den Menschen sein. Die Zeiten, in denen der Haupttreffpunkt der Gemeinde am Sonntagmorgen war, sind selbst in der kleinsten Provinz vorbei. Sodann wird das ursprüngliche Angebot durch den kurzen Fastenimpuls, eine kleine Geschichte am Morgen oder die spirituelle Wochenshow, wie sie zuletzt die Erzdiözese Freiburg angekündigt hat, ergänzt. Schon länger auf dem Markt sind zum Beispiel tägliche Services von domradio.de als christlicher Nachrichtensender oder einmalige Projekte wie die des Bistums Essen zur Osterzeit 2015.

Angebot und Kontinuität

Das katholische Angebot bietet durchaus Vielfalt an und so nutzen sowohl kleine, wie auch größere Initiativen und kirchliche Organisationen die Messengerdienste derzeit für ihre Aktionen. Angeheizt wird der Trend dadurch, dass Facebook die Reichweite für Seiten immer mehr eingeschränkt hat und viele kirchliche Webangebote den Kampf um Reichweite verloren haben. Doch Obacht – einfach auf ein neues Medium wie die Messengerdienste zu setzen und dann die gleichen Fehler wie bei Webseiten zu begehen, wäre fatal. So beobachte ich aktuell wieder verstärkt, dass derzeit bei den Messengern sehr viel Energie verpufft und dies aus mehreren Gründen:

In vielen Fällen kann von Anfang an gar keine Kontinuität sichergestellt werden und die Aktionen sind wenig durchdacht oder langfristig ausgerichtet. In diesem Fall geht es nicht um eine absolute Anzahl von Beiträgen, sondern auch um die erwartete Qualität oder zumindest Qualitätssteigerung während der Aktion. Die wichtigste Komponente ist dabei, zum einen permanent zu schauen, wie der Markt auf das Angebot reagiert und zum anderen, daraus Optimierungen abzuleiten und aus „Fehlern“ weiter zu lernen. Dies schaffen viele Online-Redakteure oder einzelne Protagonisten nicht, da die Arbeitsweisen nicht den marktüblichen Gesetzen folgen (müssen).

Abonnenten steigern

Der zweite wichtige Punkt ist die fehlende Werbestrategie für die Werbestrategie: Um ein neues Produkt, wie z.B. einen Service über einen der Messenger anzubieten, benötigt es Werbung, doch  das wird oftmals nur halbherzig bei der Planung berücksichtigt. Es reicht nicht aus eine Pressemitteilung zu verfassen oder in seinem bestehenden Newsletter auf das neue Angebot hinzuweisen. Der Erfolg kommt heutzutage erst, wenn man eine ordentliche Summe Geld in die Hand nimmt, um zum Beispiel inaktive Facebook-Fans mit der Schaltung von guter Werbung in das neue Angebot zu transferieren. Immer im Blick dabei natürlich, dass es sich um echte Abonnenten handelt und nicht um eingekaufte Bots. Perspektivisch bedeutet dies auch, sich klare Ziele zu setzen und hier geht es meines Erachtens um knallharte Zahlen. Rund 100 Abonnenten zu haben ist zwar schön, aber 1.000 wäre schon ein vernünftigeres (erstes!) Ziel, was sich schlagartig auf 5.000 erhöht, wenn man das erste Ziel einmal erreicht hat.

Und wenn es mal nicht direkt klappt, analysieren, im Team das Scheitern besprechen und nach neuen Wegen suchen.

Datenschutz

Aus aktuellem Anlass immer noch nicht weg zu denken und immer wieder von den katholischen Datenschützern befeuert, liegt die Debatte um den Datenschutz mit besonderem Blick auf die Katholische Datenschutzgrundverordnung. Insbesondere im katholischen Raum gibt es hier immer weitere Verunsicherungen und neuerdings interessante Bestrebungen als Kirche darüber zu urteilen, ob ein Messengerdienst salopp gesagt „gut“ oder „böse“ ist. Die Debatte hier auszuführen würde alles sprengen.

Deshalb an dieser Stelle mein persönlicher Apell, dass diejenigen, die es als ihre Aufgabe sehen, mit Menschen in Dialog zu treten, sich bitteschön nicht abschrecken lassen von ein paar sehr eifrigen Juristen. Diese haben am Ende sicherlich saubere rechtliche Argumente, doch glaube ich, dass das Argument für Kommunikation auf Augenhöhe und auf den Plattformen wo die Menschen sich freiwillig bewegen, stärker ist.

Technik

Abseits davon, noch ein kleiner Diskurs in die Welt der Technik. In den vergangenen Monaten sind immer weitere Plattformen zur Verwaltung der Messengerdienste auf den Markt gekommen, die eine Weboberfläche bieten, die unterschiedliche Messenger gleichzeitig bedienen. Ob Video, Audio, Text oder die Auswahl von Emojis – das spielt keine Rolle mehr, denn der Vorteil dieser Anbieter liegt darin, dass mit einem Klick mehrere Messenger gleichzeitig bedient werden können. In einer ersten Auswertung macht es auch Sinn, gleichzeitig auf mehreren Kanälen die gleiche Nachricht zu senden, sofern das gebuchte Produktpaket den Versand über mehrere Kanäle zulässt. Spannend ist hier die Erkenntnis, dass es keine individuelle Aufbereitung der Inhalte benötigt, wie dies bisher oft getan wurde (Facebook: viel Text, Instagram: super Foto, Twitter: kurz und prägnant, etc.). Das Nutzerverhalten ist aktuell noch auf allen Kanälen gleich, was man an der Responserate bei interaktiven Elementen ganz gut sieht.

Mit der aktuellen Technik geht auch die Professionalisierung der Angebote auf Anbieterseite einher. Hier muss auf den Facebook-Konzern eingegangen werden, der mit WhatsApp, Instagram und dem Facebook-Messenger je nach Umfrage zwischen 80 und 95 Prozent der gesamten Menge an Kurznachrichten in Deutschland ausmacht. Angekündigtes Ziel von Facebook ist es, auf jeden Fall den Werbemarkt in seinen Diensten im Bereich der Kurznachrichten zu erweitern. Inwiefern fremde Dienste, die mehrere Messenger bündeln, dann perspektivisch noch Zugang haben, ist abzuwarten.

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