St. Bonifatius – Internet-Kirche in funcity.de

von Unbekannt

Seit 1998 gibt es in www.funcity.de eine Internetkirche mit „echten“ Seelsorgerinnen und Seelsorger, katholischem Profil und ökumenischer Ausrichtung. Wöchentliche Chats laden zum Meinungsaustausch ein, das Fürbitten-Brett nimmt Gebete auf, weitere Angebote erreichen Menschen über Funcity hinaus. Die Kirche in einer Web-Community mit ca. 35.000 „Einwohnern“ gestaltet City-Pastoral im Internet: persönliche Kommunikation auf direktem Weg.

Die St. Bonifatius-Internetkirche in www.funcity.de ist ein profiliertes kirchlich-katholisches Angebot mit ökumenischer Offenheit in einem auf Fun ausgerichteten kirchenneutralen Umfeld einer virtuellen Stadt. Jeder Internet-Nutzer kann diese Funcity-Community besuchen und sich nach Anmeldung häuslich mit Wohnung usw. einrichten – alles kostenfrei und damit niederschwellig.

Wer die Startseite von Funcity aufruft, sieht im Panorama bereits die Kirche, sie ist schnell zu erreichen und nicht zu übersehen. Die Internetkirche bietet eine gute Möglichkeit, einfach mal schnell und „unerkannt“ ein kirchliches Angebot wahrzunehmen. Durch anonyme Distanz kann persönliche Nähe entstehen.

Geschichte

1997 wurde Funcity als Internet-Treffpunkt für die Hörer von privaten Hörfunksendern Norddeutschlands gegründet und hat sich zu einer eigenständigen Community entwickelt. Seit dem 6.4.1998 gibt es in www.funcity.de eine Kirche mit dem programmatischen Namen St. Bonifatius. Zur Zeit 19 Seelsorgerinnen und Seelsorger aus dem norddeutschen Raum gestalten das Angebot. In einem an Unterhaltung orientierten Internetauftritt vermuten viele zunächst kein reales kirchliches Angebot. „Kann Katholische Kirche sich mit ökumenischer Ausrichtung in einem solchen Spaß-Umfeld behaupten?“, fragen viele. In St. Bonifatius stoßen Menschen auf eine ernsthafte kirchliche Präsenz.

Der typische Einwohner ist unter 35 Jahren, „eher“ weiblich, ca 40 % aus Niedersachsen, Aus dem Ausland wird vor allem aus den USA und der Schweiz kontaktet.

Ca 15.000 Besuche im Vorraum der Kirche pro Monat zeigen das Interesse an Anregung, Austausch und gegenseitiger Unterstützung. Die Internetkirche bietet so etwas wie „City-Pastoral im Internet“. Hier surfen kirchennahe Menschen vorbei, distanzierte und kritische bemerken das ernste Angebot in einer Fun-Umgebung. Menschen kommen mit der Kirche in Kontakt, die sonst von diesen nicht wahrgenommen wird. Die Kirche hebt sich von den anderen, teilweise futuristisch aussehenden Neubauten ab: Alt hat hier eine innere Verbindung zu Beständigkeit und Verlässlichkeit. Wird auf die „Kirche“ geklickt, eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten.

Angebote

Im Pfarrhaus stellen sich die Team-Mitglieder mit einem Kurztext und Bild vor. Direkt von dort aus sind alle per E-Mail zu erreichen. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger zeigen bewusst Gesicht und stellen sich vor: Das erleichtert Suchenden, eine passende Ansprechperson zu finden. Das Pfarrhaus ist 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche geöffnet. Ein wesentlicher Teil dieses Angebots besteht in der Beantwortung persönlicher E-Mail-Anfragen. Hier kommen existentielle Fragen zur Sprache, die sonst ungestellt bleiben, weil sie keinen Adressaten finden würden.

 

In dieser E-Mail-Seelsorge entwickeln sich oft persönliche Kontakte, auch über eine längere Zeit. Die Anfragen kommen von kirchendistanzierten, glaubensfernen und -freien sowie von kirchlich engagierten Menschen. Wichtig für alle ist: Räumliche Distanz macht persönliche Nähe möglich.

Der Kirchenchat ist durchgehend geöffnet, also nicht nur dienstags und donnerstags von 20.30 bis 22.00 Uhr, wo durch das Kirchenteam eine seelsorgerische Moderation stattfindet. Über ein vorgeschlagenes Thema wird angeregt diskutiert, z.B. „Beten – Wie geht das?“, „wozu bin ich berufen“, „Tod und Sterben“, „Zorn und Wut“. Aktuelle Ereignisse werden aufgegriffen. Persönliches hat ebenfalls Zeit. Es ist zu einer guten Übung geworden, die Chat-Zeiten mit Fürbitten und Vaterunser zu beenden. Gastfreundschaft und zuvorkommender Umgang untereinander prägen diese Chat-Zeit.

Im November 2008 hat die Kirche ein Kloster mit Oratorium, Bibliothek und Rekreation eröffnet. In den Klosterzimmern haben sich insgesamt dreizehn Ordensmenschen (elf Nonnen und zwei Patres) unterschiedlicher Ordensgemeinschaften versammelt. Auch sie stellen sich persönlich vor und sind ansprechbar. Das grafisch gut gestalteten Bereiche greifen Erfahrungen von Ordensleuten auf und bieten diese zum Mitmachen an.

Auf drei Brettern kann man etwas einschreiben: Im Fürbitten-Brett finden sich eigene Texte, persönliche Anliegen, Gebete und Gedanken, unkonventionell formulierte Gebete, persönliche Nöte und spirituell-religiöse Fragen. Bei „Worte zum Nachdenken“ schreiben die Besucher Gedichte, Texte und Aphorismen hinein, die für sie Anregung zu eigenem Nachdenken und Lebensdeuten geworden sind.
Bei Bedarf wird der Mail-Kontakt gesucht. Im Gästebuch ist Platz für Mitteilungen, Meinungsäußerungen. An dieser Stelle werden auch die Chat-Themen vorher bekannt gegeben.

Einen wöchentlich als E-Mail versendeten Gemeindebrief gibt es seit 1999/2000. Dieser greift das Evangelium vom Sonntag mit kurzen Glaubens-Impulsen auf. Der Gemeindebrief hat einen Abonnentenkreis, der weit über Funcity hinausreicht mit einer redaktionellen Auflage von ca. 2500.

Mit dem Adventskalender und in der Zeit vor Ostern (Oster-Wege) bietet das Funcity-Kirchenteam Impulse und Nachdenkliches ebenfalls kostenlos per E-Mail an

Seit 2000 gibt es ein regelmäßiges Angebot für Exerzitien im Alltag. Interessenten bekommen vier Wochen lang täglich einen Gebets- und Meditationsimpuls zugemailt. Die Altersspanne der Teilnehmenden von 19 bis 71 Jahren macht deutlich, dass hier ein über Funcity hinaus gehendes Interesse besteht. Die Leserinnen und Leser reagieren mit E-Mails, was eine intensive spirituelle Begleitung zur Folge haben kann.

Chancen

Die meisten kirchlichen Angebote im Internet finden sich auf speziellen kirchlichen Internet-Seiten, die bewusst aufgesucht werden (müssen). St. Bonifatius dagegen steht in einem säkularen Fun-Umfeld. Die Nutzer von Funcity surfen öfter dort, als dass sie kirchliche Angebote wahrnehmen. Das ist in diesem Umfeld kein Manko, sondern Chance. Freiwillig und selbstbestimmt tarieren die Besucher der Internet-Community ihre Nähe und Distanz zur (Internet-)Kirche aus. Wenn auf welchem Weg auch immer Kontakt erwünscht ist, wird er vom Team aufgegriffen. Dabei gilt für die Authentizität des Teams der Glaubwürdigkeits-Test: „Bist du wirklich aus Überzeugung Priester, Ordensfrau?“ – „Warum arbeitest du für die Kirche?“ Glaubens-Farbe bekennen ist erforderlich, die an anderen Stellen so oft besprochene Sprachfähigkeit über Glaubens“dinge“ unabdingbar.

Das Team öffnet sich den vielfältigen Erfahrungen von Menschen und eröffnet verschiedene Möglichkeiten der Teilhabe: Chat, Bretter-Einträge, Kontakt zu einem Seelsorger usw. ermöglichen durch das Medium Internet eine missionarische Ausrichtung der Arbeit, die auch deshalb wirkt, auch weil sie dort sichtbar wird, wo sie nicht erwartet wird.

Regelmäßig kommen Neue in die Kirche, entdecken die Angebote, beteiligen sich und bekommen so Kontakt zu anderen. Zwischen denen, die ihre Gedanken und Bitten in die Bretter hinein schreiben, entwickelt sich ein Dialog untereinander und mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern.

Wer da ist, gehört dazu, ob als angemeldeter Einwohner oder als Gast. Gastfreundschaft wird eine besondere Bedeutung beigemessen. Die „Gemeinde“ konstituiert sich aus denen, die sich einbringen oder einfach nur da sind, hat einen konstanten Kern und viele, die für eine begrenzte Zeit sich zugehörig wissen oder die nach vielen Monaten auf einmal wieder da sind. Das Medium E-Mail führt zu schnellen und direkten Reaktionen.

Wenn die Suche nach Sinn, Spiritualität, Beziehung, eigener Lebensdeutung und Kirche Menschen, übrigens nicht nur junge, im Internet suchen lässt, dann ist es gut, sich als Kirche dort finden zu lassen.

Norbert Lübke
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    6 thoughts on “St. Bonifatius – Internet-Kirche in funcity.de

    1. Ich freue mich, dass es die funcity-Kirche immer noch gibt! Schon vor Jahren habe ich an den Internet-Exerzitien teilgenommen und an so manchem Themenchat. Ich schätze die „persönliche“ Anwesenheit von echten Seelsorgern zu festen Zeiten sehr!

    2. War schon etwas länger nicht mehr auf der Seite. Hat sich hier was verändert, oder habe ich mich nur fals eingeklickt? Komme nicht mehr so wirklich zurecht, vielleicht kann mir mal Jemand weiterhelfen.
      Das wäre richtig nett. Allen „Aktiven“ wünsche ich noch einen schönen Sonntag.
      LG Filandia

    3. Die Altersspanne der Teilnehmenden von 19 bis 71 Jahren ……

      von …. bis 75 :-)) fühle mich immer noch dazugehörig.

    4. Hallo Andrea Mayer-Edoloeyi,

      danke für den Kommentar, dei Einschätzung und die Frage.

      Hier eine Antwort: Das mit traditionell oder modern hatten wir schon an verschiedenen Stellen, aber es bleibt aktuell. Bei einer Renovierung des Stadtbildes war auch mal vorgesehen, das Kirchlein außen zu verändern, aber da gab es vielsten Widerspruch: Lasst es so, wie es ist, das vermittelt Vertrauen, weil sich nicht alles ändert im Leben und drumherum, sondern auch mal etwas so bleibt, wie es ist. Und ein kupfergrün oxidiertes Dach bedeutet verläßliche Beständigkeit.

      Wir verbinden das mit unseren auf die Menschen hin orientiertem Ansatz: Wir geben Antworten auf die beständigen Lebensfragen von Menschen, die sich ihnen aktuell stellen und für die sie nach Lösungen suchen.

      Insbesondere im Klosterbereich unsrer Kirche kann man merken, wie wir „modern“ und „verläßlich“ miteinander verbunden haben. Einfach mal vorbei schauen und ausprobieren.

      Liebe Grüße
      Norbert Lübke
      Kirchenteam in funcity.de

    5. Ja! Das ist der richtige Ansatz: Dort hin gehen, wo die Leute sowieso sind und persönlich und authentisch situationsbezogen kommunizieren.

      Interessant finde ich, dass das ganze mit so traditionell und bieder anmutenden Bildern klappt – habt ihr eigentlich schon mal was mit modernem Kirchenbau oder so probiert?

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