Tadaa – die nächste Community heißt.. F1irstlife

von Unbekannt

Machbarkeitsstudie, Wettbewerbsanalyse, Zielgruppen-befragung, Alleinstellungsmerkmale, Konzepterstellung und ein Businessplan fehlen nicht, wenn es um das nächste christlich-katholische Community-Projekt handelt.

Ein langes Gähnen steht in viele Gesichter geschrieben, wenn das Thema einer weiteren (katholischen) christlichen Community angesprochen wird, denn gerade erst vor wenigen Wochen haben viele Personen aus der katholischen Web 2.0-Szene und der Seelsorge erleichtert aufgeatmet als das Aus des Projektes cathoo.net offiziell bestätigt wurde.

Heute also mal wieder so ein langes Gähnen im Netzgezwitscher, obwohl der Slogan dieses Mal heißt: „Triff die Richtigen!“. Dieser für ein Community-Projekt sehr klare Slogan eilt dem Community-Namen „F1rstlife“ voraus und verdeutlicht wo es langgehen soll. Dabei soll F1rstlife nach Angaben der Initiatoren und Unterstützer eine Community sein, „die auf das reale Leben ausgerichtet ist“, „Ideale vorlebt“ und den „Austausch fördert“. Natürlich wird die Community auch attraktiv, funktional, gemeinnützig und respektvoll sein. Und falls noch jemand Sorgen hat der kann sich sicher sein, dass F1rstlife wirklich das „einzige“ Netzwerk ist, das Jugendliche als Menschen sieht und diese nicht von der Wirklichkeit entfremdet.

Puh, der Präsentationstext gehrt runter wie warmer Sahnepudding und gerade Jugendliche werden glücklich sein, dass sie endlich einmal als Menschen in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden. Dabei gehören Jugendliche den Gerüchten zur Folge eigentlich zur Gattung der Dinosaurier, Marsmenschen oder Meerjungfrauen; doch leider heißt es auch, dass sich die Wissenschaft bei der Einordnung von der Spezies Jugendliche bisher wohl noch nicht einig sind. Ok, diesen Absatz nicht ernst nehmen und nun vom Spaß zu den Hard Facts des Projektes.

Das Projekt wurde Ende 2009 initiiert, es gibt einen gemeinnützig anerkannten Trägerverein mit einer Geschäftsstelle in Köln. Dieser Verein hat nach eigenen Angaben bisher rund 90.000 Euro eingesammelt und hat aktuell das Ziel die gleiche Summe nun noch einmal zu akquirieren, um die Programmierung zu realisieren. Technisch gesehen ist die Plattform von daher bisher noch nicht programmiert, doch gibt es schon eine recht statische Vorschau die das Design und auch Inhalte und geplante Features zeigt. Darunter die Erstellung eines Profils, Freundeslisten, Fotoarchiv und Nachrichtenfunktion, Kalender und Gruppenfunktionen. Zusammengefasst alles das was es auch in jeder anderen Community gibt.

An dieser Stelle kommt sehr schnell die „böse“ Frage nach dem Mehrwert auf, welche aber leider von Seite der geplanten Funktionalität nicht beantwortet werden kann. Das aktuell sichtbare Alleinstellungsmerkmal liegt deswegen wohl vor allem auf dem Aspekt der schon im Konzilstext „Communio et progressio“  verankerten „Vernetzung von jungen Menschen guten Willens“ und nicht derer die bösen Willen haben.

Etwas unverständlich aus externer Sicht sind die hohen Programmierkosten, da es alle diese Funktionen schon in verschiedenen OpenSource Frameworks (kostenfreien fertigen Paketen) gibt die nur noch auf einem Server installiert und das Design daran angepasst werden müssten.

Doch unabhängig von diesen Finanzen gibt es ein weiteres spannendes Thema bei dem Projekt. So soll in dieser Community eine eigene Internetredaktion aufgebaut werden. Dass die Macher es ernst nehmen kann man aus einer Email entnehmen, in der von dem aktuellen Stand erzählt wird und auch den bereits stattgefundenen Schulungen von Jugendlichen, die als Redakteure ausgebildet werden.

Insgesamt kann gesagt werden, dass wenn der eingeschlagene Weg weiter verfolgt wird und das was Design und Präsentation versprechen sich auch in der Programmierung wiederfinden, das Projekt auf mittelfristige Sicht sicherlich das Tageslicht erblicken wird und einige Zeit lang übersteht. Doch muss auch realistisch eingeordnet werden, dass F1rstlife aus heutiger Sicht im Wettbewerb zu den vielen etablierten Plattformen wohl kein Projekt mit Durschlagkraft und einer großen aktiven Userschaft wird. Doch diese Durchschlagkraft wird zumindest laut Präsentation auch nicht gefordert und so ist es am Ende vielleicht ein voller Erfolg, wenn es 50 bis 150 aktive jugendliche Nutzer auf der Plattform gibt, die sich in dem geschützten Raum von F1rstlife wohl fühlen.

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4 thoughts on “Tadaa – die nächste Community heißt.. F1irstlife

  1. Schade, dass der Autor des Blogbeitrags uns, also das Team von f1rstlife, nicht vorher kontaktiert hat. Dann hätte er aus erster Hand und nicht von Dritten erfahren, was es mit f1rstlife auf sich hat. Dies wäre nicht nur aus journalistischer Sicht wichtig gewesen, sondern hätte auch Missverständnisse vermeiden können. Zur Klarstellung und um in einen konstruktiven Dialog zu treten, seien hier einige Punkte genannt:

    – f1rstlife ist eine private, ehrenamtliche Initiative von Jugendlichen, Studenten, Eltern und Berufstätigen, die etwas im Internet bewegen wollen. Unter den Initiatoren und Unterstützern finden sich auch zahlreiche engagierte evangelische und katholische Christen. Es ist aber kein katholisches oder sonst wie kirchliches Projekt.

    – f1rstlife richtet sich daher an alle jungen Leute, insbesondere, wenn sie wertorientiert und sozial engagiert sind.

    – f1rstlife möchte vor allem drei Dinge in sich vereinen:
    1) Jugendliche virtuell vernetzen und im realen Leben zusammenbringen,
    2) Beiträgen von Jugendlichen für Jugendliche Raum geben,
    3) soziales Engagement organisieren und fördern.

    – f1rstlife ist offen für jeden. Der Kreis der Unterstützer ist sehr bunt und wächst stetig. Wir freuen uns über jeden, der konstruktive Kritik, Ideen und Anregungen beisteuert. Jeder ist eingeladen, sich einzubringen – z.B. bei unseren regelmäßig stattfindenden Workshops.

    Für Fragen stehen wir jederzeit zur Verfügung: http://www.f1rstlife-stiftung.de; gerne dann auch zum persönlichen Gespräch im real life.

  2. @Matthias Lochner: Vielen Dank für die Hinweise. Es liegen mir mehrere Dokumente geschrieben von F1rstlife vor, so wie die Aussagen verschiedener beteiligter Personen auf der Grundlage der Artikel geschrieben wurde.

    Ein konkretes Problem bei dem oben genannten Artikel ist in der Tat, dass nicht exakt herausgearbeitet wurde, dass F1rstlife offiziell als christliches Projekt auftritt. Das F1rstlife aktuell nicht mehr explizit von einer klassischen Internet-Community spricht sind dahingegen recht neue, aber sehr zu begrüßende Entwicklungen.

    Hinzu kommt, dass die drei genannten Schwerpunkte sehr bestrebenswert sind. In diesem Sinne wünsche ich Ihrem Projekt für die Zukunft viel Erfolg und hoffe, dass die Kritikpunkte abgehandelt sind.

  3. Ich kann mich den aufgeworfenen Fragen nur anschließen. Erweitert um die folgende: Warum haben die Initatoren, die ja alle einen krichl. Background haben, nicht vorher mit denen gesprochen, die sowas schon machen?
    Schade, dass es mal wieder eine weitere Stückelung gibt und kein „Wir gestalten zusammen und erweitern bestehende Angebote“

  4. Was ich mich dabei frage ist, ob irgendwer wirklich heutige Jugendliche gefragt hat, ob die das brauchen. Ein bisserl klingt das für mich so als ob da Mama und Papa für die Teenager die Klamotten einkaufen gehen, damit sie ja so angezogen sind, wie es Mama und Papa gefällt. Ob das wohl klappt?
    Ich denke ja, dass sich Eltern einfach mehr damit auseinandersetzen sollten, was ihre Kids im Internet machen und sie dabei begleiten und unterstützen. Diese Herausforderung wird ihnen auch so eine Community nicht abnehmen.

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